Frischekur für das Internat

Frischekur für das Internat
Frischekur für das Internat
Foto:Holger Frenzel

Sanierungskosten belaufen sich auf 1,5 Millionen Euro - Wärmedämmung soll Mietpreise konstant halten
Von Holger Frenzel

Der Förderverein des Europäischen Gymnasiums hat Fördergelder aus dem Konjunkturpaket für die Sanierung des Internats beantragt. Nachdem zuletzt das historische Hauptgebäude, das 1844 als fürstliches Lehrerseminar entstand, zu einem Schmuckstück aufpoliert wurde, will die Fördervereins-Vorsitzende Ulrike Dost nun das Internat in Angriff nehmen. Für die Neugestaltung des Plattenbaus werden rund 1,5 Millionen Euro benötigt. Der Löwenanteil soll dabei aus dem Konjunkturpaket kommen. Dazu rechnet sie mit einem Zuschuss der Stadt Waldenburg (240.000 Euro) und einem Eigenanteil des Fördervereins (300.000 Euro).
"Bisher gab es für den Komplex keine Fördermöglichkeiten. Mit dem Konjunkturpaket können wir einen Schandfleck verschwinden lassen. Beim Anblick des Internats haben sich in der Vergangenheit auch schon Schüler aus den alten Bundesländern gegen Waldenburg entschieden", liebäugelt Ulrike Dost mit einem raschen Startschuss für die Sanierung. Der Handlungsbedarf ist nicht zu übersehen: Die Sanitäranlagen sind sanierungsbedürftig, die Elektroleitungen müssen erneuert und die Fenster ausgetauscht werden. Zudem plant der Förderverein die Neugestaltung der Fassade.
Dabei versprechen sich die Verantwortlichen von den neuen Fenstern und einer Wärmedämmung auch deutliche Einsparungen bei den Energiekosten. "Am Gebäude haben wir neben dem kosmetischen Problem auch ein ökonomisches", beschreibt die Vorsitzende, die seit 15 Jahren an der Spitze des Fördervereins steht, den hohen Wärmeverlust. Sie geht davon aus, dass bei einer Umsetzung der geplanten Maßnahmen auch die Kosten für Zimmernutzung, Versorgung und Betreuung im Internat konstant bleiben können. Derzeit müssen die Eltern monatlich 618,73 Euro bezahlen.
In dem viergeschossigen Plattenbau befinden sich 100 Ein-Bett-Zimmer. Derzeit wohnen 90 Schüler aus den Klassen fünf bis zwölf in dem Haus. Untergebracht sind dort auch Schüler aus China, Vietnam, Russland, Korea und Kenia. Sie können im Gegensatz zu ihren deutschen Mitschülern an den Wochenenden nicht nach Hause und haben deshalb noch einen besonderen Wunsch: Eine schnellere Verbindung ins Internet. "Per Internet verständigen wir uns am Telefon und über eine Webcam mit den Eltern. Die Leitungen sind aber nicht auf dem neuesten Stand", erklärt Wenyu Li aus China. Der 19-Jährige wohnt seit August 2008 im Internat. Noch unklar ist bisher, wo Wenyu Li und seine Mitbewohner während der Baumaßnahme unterkommen. Selbst bei einer Sanierung in mehreren Etappen muss ein Teil des Internats leer gezogen werden.

Bei Regen: Wasser läuft in die Zimmer

Gespräch mit Lisa Decker

Zu den Bewohnern des Internats gehört Lisa Decker. Die 16-Jährige stammt aus Amtsberg und wohnt schon seit 2004 in dem Plattenbau auf dem Schulgelände. Holger Frenzel sprach mit der Zehntklässlerin.
Freie Presse: Welche Bereiche des Internats brauchen eine Generalüberholung?
Lisa Decker: Vor allem die Sanitäranlagen mit Duschen und Toiletten sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Zudem befinden sich die Fenster in einem schlechten Zustand. Bei Regenfällen läuft sogar das Wasser in die Zimmer.
Freie Presse: Was schätzen Sie am Internatsleben?
Lisa Decker: Ich fühle mich hier wohl und bin die ganze Woche mit Freunden direkt zusammen. Wichtig ist: Ich bekomme Hilfe von älteren Bewohnern und kann meine Erfahrungen im Schulalltag selbst an jüngere Schüler weitergeben.
Freie Presse: Wie verbringen Sie die Freizeit?
Lisa Decker: Im Sommer haben wir es optimal. Dann stehen Besuche im Freibad und im Grünfelder Park an. In den Wintermonaten verbringen wir viel Zeit auf den Zimmern und in den Aufenthaltsräumen.