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 Zum Abschied von Klassenlehrerin lassen Schüler

 Edelschlitten vorfahren

In der Limo Royal hat sich schon Jennifer Lopez geräkelt

Dass sich in der edlen Ledergarnitur schon Jennifer Lopez gerekelt haben könnte, ist der Gymnasiallehrerin Marlies Oehmichen bei Gott nicht in den Sinn gekommen. Wahr ist auf jeden Fall, dass die Stretch-Limousine, die vorgestern auf den Schulhof des Waldenburger Eurogymnasiums rollte, um die Lehrerin nach einer ausgiebigen Stadtfahrt in den Grünfelder Park zum Picknick zu bringen, einst die New Yorker Schickeria zu ihren Vergnügungen brachte.

Beim Ehrenfriedersdorfer Limousinenservice, der die 8,60 Meter lange „Limo Royal" für exklusive Wünsche nach Deutschland holte, haben die Waldenburger Zehntklässler den Wagen bestellt. Um „dieser prima Lehrerin zu danken", sagt Gregor Seifert. Er und Tobias Mißbach hatten die Idee und die Klasse war begeistert. Sechs Jahre lang war Oehmichen ihre Klassenlehrerin, die zu jedem ein derartiges Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, dass nicht nur ihr am letzten Schultag Tränen in den Augen standen.

Ab Klasse 11 werden in den Gymnasien die Klassenverbände aufgelöst, weil mit der Sekundarstufe II das Kurssystem beginnt. Statt Klassenlehrer sind dann so genannte Tutoren, Vertrauenslehrer, für die Schüler als Ansprechpartner da, erklärt Schulleiter Reiner Lösel, warum die Gymnasiasten schon zwei Jahre vor dem Abitur auf diese ungewöhnlich Art von ihrer Klassenlehrerin Abschied genommen haben. „Mich hat man als Tutor schon mit einem Pferdegespann, der Feuerwehr und einem Traktor abgeholt. Aber so fein bin ich noch nicht kutschiert worden", freut sich Lösel dennoch neidlos über die große Wertschätzung, die Marlies Oehmichen bei den Schülern genießt.

Für den Schulleiter ist das ein Grund darauf zu verweisen, dass es die Ganztagsschule ist, die diese intensive Zuwendung zu den im Alter von zehn Jahren ans Gymnasium kommenden Kindern möglich mache. „Die Anforderungen am Gymnasium sind groß. Die Kinder kommen doch sehr jung in eine neue Umgebung. Da ist es die wichtigste Grundlage für den schulischen Erfolg, dass ein wirkliches Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Schülern entsteht." Lösel ist froh darüber, dass in einer Ganztagsschule weit über den Unterricht hinaus die Lehrer für die Kinder da sind.

Viele Lehrer seiner Einrichtung praktizieren zudem induviduelle Förderung. So würden Klausuren nicht im Klassenverband zurückgegeben, sondern jedem Einzelnen ausgehändigt und individuell ausgewertet. „Klar, das kostet viel Zeit. Zahlt sich aber aus", so Lösel.

Die über Jahre hinweg derart intensiv geleistete Arbeit spiegele sich auch in den Leistungen des diesjährigen Abiturientenjahrganges mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,41 wider. Von den 76 Absolventen haben zz eine Abiturnote mit Eins vor dem Komma. Fünf erreichten 1,4. „Das schlechteste Ergebnis ist, das hat nur eine einzige Schülerin, die Durchschnittsnote von 3,5", bilanziert der Schulleiter einen äußerst zufriedenstellenden Schuljahresabschluss.

 

 

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