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 Geputzt wird für Präsident Köhler

[Artikel als Bild] Foto: Ulf Dahl     David Osten

 nicht extra

Freie Presse: Gelassenheit im Eurogymnasium vor dem hohen Besuch

Heute wird Bundespräsident Horst Köhler das Europäische Gymnasium Waldenburg besuchen. Die "Freie Presse" war vor ihm da und schaute, was sich hinter den Kulissen tat.

Von Eva Prase

Waldenburg. Chormusik dringt aus einem der Klassenzimmer. "Strom der Zeit", ein Titel von Peter Maffay, ist zu hören. Ein Blasorchester übt in einem anderen Raum "Glück auf, glück auf, der Steiger kommt". Und in der Aula spielt jemand auf der Orgel.
Einen Tag bevor der Bundespräsident Horst Köhler für knapp zwei Stunden das Europäische Gymnasium in Waldenburg besucht, wurde gestern noch einmal geprobt. Völlig ruhig geht David Osten, der junge Organist, die Sache an. Er wird heute beim Festempfang auf der alten, 2001 komplett sanierten Kreutzbach-Orgel aus dem Jahre 1878 Buxtehudes Präludium in C-Dur spielen. Er sei gar nicht aufgeregt. Kein Lampenfieber, nix. "Der Präsident ist doch auch nur ein Mensch. Und wenn mir ein Fehler unterläuft, wird es schon keiner merken", sagt der junge Mann. Er spielt nicht nur Orgel, sondern auch Klavier, Oboe und Tenorhorn. Zudem komponiert er und kann auf Erfolge bei "Jugend musiziert" verweisen. "David ist eine sichere Bank", lobt sein Orgellehrer Johannes Roßner. Darum habe man ihn ausgewählt, obwohl er in diesem Schuljahr Waldenburg verlassen hat und auf das Gymnasium für mehrfach Hochbegabte St. Afra in Meißen gewechselt ist.
Auch die Mitglieder der Schulband trafen sich gestern zur letzten Feinabstimmung. Denn es soll alles perfekt sein: "Schließlich begegnet man einem Bundespräsidenten in seiner Schulzeit nur einmal", sagt Tobias Mißbach, der Gitarre spielen wird. Er empfinde es als "sehr große Ehre", dass das Staatsoberhaupt gerade in diese Schule komme, und dass er, Mißbach, dabei sein dürfe bei dem Gespräch mit ihm. Wie das ablaufen wird? "Bestimmt fragt der Präsident uns etwas zur Schule", meint Elisa Hocher aus der 12. Klasse. Und Mißbach meint: "Wir Schüler sollen wohl selbst keine Fragen stellen. Das hab' ich jedenfalls gehört. Nichts zur Außenpolitik und so."
Von den 86 Abiturienten können, so lautete die Vorgabe vom Bundespräsidialamt, 25 bei der Gesprächsrunde dabei sein. "Es sind nicht unbedingt die leistungsstärksten Schüler", sagt Schulleiter Reiner Lösel, "sondern jene, die unsere Einrichtung gut repräsentieren. Musisch Begabte, sportlich Talentierte, gesellschaftlich Engagierte. Zwei Chinesen sind übrigens auch dabei."
Die Mitglieder der Lehrerschaft machten gestern einen gelassenen Eindruck. "Nur die Parkordnung haben wir etwas verändert. Extra herausgeputzt wurde nichts", sagt Frank Güthlein, Vorstand des Trägervereins. Auch so herrscht gediegene Atmosphäre im einstigen fürstlichen Lehrerseminar, das in den letzten drei Jahren für rund 4,3 Millionen Euro saniert wurde. Doch noch manches bleibt zu tun, an den Außenanlagen, dem Sportplatz, im Schulgebäude ... Eine ramponierte Tischtennisplatte mitten auf dem Schulhof muss nicht sein. Aber dem Präsidenten einen Zustand vorgaukeln, der noch nicht erreicht ist, das wollen die Verantwortlichen nicht.
"Wir möchten unsere Schule und das pädagogische Konzept vorstellen", sagt Gerd Stiehler, stellvertretender Geschäftsführer und Leiter der Jugendkunstschule. Für ihn liegt die Zukunft des Bildungswesens in der Ganztagsbetreuung, wie sie hier in Waldenburg praktiziert wird. Malen und musizieren, töpfern und Theater spielen, Videos drehen und CDs bespielen, das alles könnten Schüler hier im Anschluss an den Unterricht. "Solche Angebote muss es an den Schulen geben, damit Kinder Zeit dafür haben", sagt Stiehler. Neben der breit gefächerten Palette zur musischen Betätigung, stünden auch die Fachlehrer nachmittags noch zu Konsultationen bereit. Stiehler: "Gerade von Abiturienten wird diese individuelle Hilfe gern angenommen."

 

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