|
Freie Presse: Von Ulrich Hübler
Waldenburg. Morgens gegen
9 Uhr herrscht das, was sich in der Töpferstadt wohl mit erwachendem Leben beschreiben ließe. Dienstag ist Markttag. Auch Hilde Gumprich von der Imkerei aus Remse postiert sich mit ihren Produkten unter dem gelben Schirm. Dass Bundespräsident Horst Köhler in die Stadt komme, ja das habe man schon gehört. "Aber hierher? Auf den Markt? Da wird er wohl nur vorbeifahren", tönt es von einem der Stände. Er wolle zum Gymnasium, werde wohl keine Zeit haben.
Als gegen 10.30 Uhr ein blauschwarzer Hubschrauber mehrmals über dem Gelände des Gymnasiums kreist und am Turm der Bartholomäuskirche vorbei auf dem Sportplatz zur Landung ansetzt, beginnt in der Tat die Uhr eines straffen Zeitplanes zu ticken. Er hat für fast 30 Polizeibeamte und ihren Einsatzleiter Klaus Juppe Stunden vorher begonnen. Und nachdem Rettungswagen im Gelände ihren Platz gefunden, die Spürhundestaffel noch einmal jene Zimmer, in denen sich Horst Köhler aufhalten soll, kontrolliert hat, 26 Journalisten aus allen Teilen Deutschlands angereist sind, dann kann auch Köhler kommen. Wenige Kilometer vom Sportplatz rollt die blauschwarze, gepanzerten Limousine und dem markanten Kennzeichen 0 - 1.
"Wenn ich nicht hierher gekommen wäre, ich hätte etwas versäumt", Bundespräsident Horst Köhler macht nicht viele Worte. Die, die er als Schlussakkord seines gestrigen Besuches nach einem Konzert am Europäischen Gymnasium besucht, klingen ehrlich. Die Atmosphäre im Haus sei ausgesprochen kreativ, das hatte ihm auch Anne-Katrin Schultze gesagt. Sie sitzt in der Runde von 25 Schülern, die mit dem Präsidenten ins Gespräch kommen dürfen. 25 von 80 Schülern des diesjährigen Abiturjahrganges. Längst ist in den Mittagsstunden klar, worum es hinter verschlossenen Türen geht - um das Konzept der Waldenburger, dem ersten privaten Gymnasium in Sachsen nach der Wende. "Und das ist ein gutes Konzept, das zeigt, dass Privatschulen ein Gewinn in der Schullandschaft sind", sagt Köhler.
Mit diesem Satz will der Präsident punkten und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht nur bei den Gründern der Schule um den Trägerverein und Ulrike Dost, um Geschäftsführer Frank Güthlein, Schulleiter Reiner Lösel und Gerd Stiehler, auch bei den Schülern. "Ich habe nochmal ans Auto gefasst", freut sich ein Schüler. Er und seine Mitschüler aus der sechsten Klassen winken, ja jubeln zum Abschied. Es ist fast 13 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt haben die Insassen der Staatskarosse, in dessen Kofferraum die Gastgeschenke von Bürgermeister Bernd Pohlers (ein Buch über die Stadt und ein Krug Waldenburger Keramik) befinden, schon eine Idee gegen jede protokollarische Regel. Eine Bratwurst auf dem Wochenmarkt, frisch vom Stand von Andreas Hunger, die soll es noch fernab jeglichen Medienrummels geben. "Er hat mich gefragt, ob man nur von Imkerei und Bienenzucht leben kann. Ein sympathischer ganz volksverbundener Mann", sagt dann auch Hilde Gumprich.Seite 3, Thema des Tages
|